Als ich am Nürburgring ankomme, spaziere ich erst einmal durch das gesamte Fahrerlager. Überall wird noch gearbeitet und die Reste des Formel 1-Wochenendes sind unübersehbar, aber auch „unüberriechbar“. Und ich meine nicht den Gestank von verbrannter Kupplung und heißem Gummi.
Während ich noch in meiner letzten Trance vom Schlaf bin, sind die letzten 21 schon ihre Runden am drehen. Oh Entschuldigung, es sind nur noch 15 Fahrer im Rennen, denn gestern konnten sechs Leute ihre bisherigen Leistungen nicht bestätigen.
Zuerst sind die Teilnehmer in den RCN-Astras unterwegs. Hier spricht man inzwischen von diesen Rennwagen, als ob sie Fahrzeuge für Anfänger wären. Kein Wunder, denn ab jetzt wird in dem Rennwagen gefahren, mit dem die zwei Teams in der ersten Staffel des Race Camp bereits angetreten waren.
In diesem Moment kündigt sich dieser auch durch einen unverkennbaren Sound an. Beim Anbremsen und Herunterschalten hört man ein Schnauben des Turboladers, das einen fast glauben lässt, der Astra habe Schnupfen. Aber – und das kann ich versichern – hat er nicht.
Inzwischen drehen die Jungs und das verbliebene Mädel, Charlotte Wilking, weiter ihre Einzelrunden im Rennastra. Ich wundere mich schon, dass alles so reibungslos abläuft und noch kein Unfall passiert ist; gerade in diesem Moment wird der Rennwagen langsamer und hinterlässt eine riesige Rauchschwade. Ahnungslosigkeit und Ungewissheit macht sich breit. War es etwa nur ein Reifenplatzer, oder doch der Motor? Es stellt sich heraus, dass der Grund hierfür in einer beschädigten Felge lag, die in der Folge die Antriebswelle des Astras in Stücke zerriss.
Nach zweistündigen Reparaturarbeiten können die Übrigen wieder antreten und ihr Talent unter Beweis stellen. Gleichzeitig jagen die RCN-Astras wieder über die Strecke; die Fahrer sollen versuchen, konstant schnelle Runden zu fahren: sie simulieren eine Gleichmäßigkeitsprüfung.
Am Ende des Tages kann jeder sich etwas ausruhen und den Touristenfahrten auf der Grand-Prix-Strecke zuschauen. Es kommt mir vor, als ob ich unter langjährigen Freunden sitze. Doch Freundschaft kennt Höhen und Tiefen. Am Ende des Tages verkündet Manuel Reuter, dass sich Philipp Rotsolk aus dem Camp verabschieden muss. Seine Leistung war nicht beständig genug.
Aber es muss weitergehen und die Motivation ist trotz dieses Schocks für alle unglaublich hoch. Das merkt man sowohl an der Einstellung der Teilnehmer, als auch an den Aussagen der Instruktoren. Sieben Kandidaten hat es auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings bereits erwischt und morgen geht es richtig zur Sache. Für einige wird es heute Abend das letzte mal sein, dass sie einschlafen und träumen, mit dem Race Camp beim 24-Stunden-Rennen 2010 dabei zu sein.