……oder: Karla Kolumna´s Bericht zur Lage der Racecamp Nation
Donnerstag, 2.4.2009. Mit meinem, wie Hr. Panchyrz zu sagen pflegt, “untermotorisierten Koffer” mache ich mich auf den Weg nach Dudenhofen. 550km liegen vor mir. Erster Schock, viele weitere kommen noch, an der Tankstelle. Immer, wirklich immer, wenn ich weiter wegfahre und ich den Kübel volltanke ziehen sie die Preise an. 1 Liter Super für 0,969 Euro. Frechheit!
Ab auf die Autostrada Richtung München. Kaum auf Bayern3 geschaltet droht mir die Tante vom Verkehrsfunk: A9 Richtung Nürnberg: 3km Stau!
Mit diesem rollenden Etwas, Ford Escort Bj95 mit wahnwitzigen 90PS, gehe ich nicht davon aus der Burner auf dem Freeway zu sein. Rechte Spur gehört mir. Mehr wie 130-140km/h, also 80% der Topspeed, will ich sowieso nicht fahren. Auf der A99 in München habe ich einen kleinen Schock! Die Tankuhr muss kaputt sein! Sie hat sich noch nicht bewegt, auch nach mehrmaligem draufklopfen!!
Mein Peugeot bräuchte für diese Strecke, etwa 140km, 25-30L
In Ingolstadt dann aufatmen: Ist nicht kaputt, sie bewegt sich doch *gg*
Was sich aber nicht bewegt ist die Einstellung der Deutschen Autofahrer. Mittelspurbesetzer ende nie! Ich habe definitiv 40-50 Autos rechts überholt. Mit 130-140km/h habe ich schliesslich auf der dritten Spur wirklich nix verloren. Da fährt mir alles in den Kofferraum
Die Verkehrstante ist schon ein wenig netter geworden: 1km Stau. Kann man überleben.
In Dudenhofen angekommen fahre ich gleich mal ins Hotel. Hotelchen! Mein Zimmer, eine Abstellkammer mit 2×4m wo gerade noch ein Bett reinging. Im Keller natürlich! Egal, der Abend ist noch lange: Gemeinsames Abendessen mit 2 Teilnehmern, dem Ronald und einem weiteren und anschliessend ab zum Kegelabend mit den Instruktoren.
Über selbigen will ich nicht ausführlich schreiben, nur soviel: Müssten wir mit Kegeln Geld verdienen, ich wäre pleite….
3.4.2009, 6:10Uhr: Nach 4h Schlaf bimmelt der Wecker und ich begebe mich gemächlich, fast in Zeitlupe, zum Frühstück. Gemeinsam mit Ronald, Andrea und ihrem Freund nehme ich mein gewohntes Frühstück zu mir. Kippe und Kaffee. Naja Kaffee nicht wirklich Das war sowas wie eine Tasse heissem Wasser wo eine einzelne Bohne für etwa drei Sekunden eingetaucht wurde. Nur zur Farbveränderung des Wassers. Der Tag beginnt also schon mal super
7:10Uhr: Am Testcenter eingetroffen. Die übliche Prozedur erfolgte recht schnell: Anmelden. Führerschein und Personalausweis vorlegen. Wenn man keinen Führerschein hat, weil man ihn verloren hat, reichte bei einem Teilnehmer auch die Verlustbestätigung. Wenn man sie nur mit hat!
Im Endefekt fehlten 2 Teilnehmer und wurden durch Nachrücker besetzt.
8:15Uhr: Mit den Shuttles ging es zum Treffpunkt im Testareal. Diese Erinnerungen an früher…. Herzschmerz! Dort angekommen: Richtigen Kaffee geholt! Doppelter Espresso ohne Milch und mit Extra Zucker. Nach der zweiten Tasse war ich, naja wach noch nicht, aber: Ansprechbar
Nach der üblichen Begrüssung vom Manuel, ist schon mehrfach erläutert worden, ging es auch gleich zum Slalomfahren. Natürlich nicht für mich, aber ich hab mich zu den Instruktoren gesellt, ihnen über die Schulter geschaut und mit ihnen wieder mords Spass gehabt. Wir haben recht viel über die Vergangenheit gequatscht, über die Teilnehmer vom RC2 und über die Prüfungen in Dudenhofen. Details kann ich euch natürlich nicht nennen.
Ein paar Kandidaten waren nicht wirklich die Killer im Slalom, wobei ich da nicht dezitiert Selcuk anspreche. Lenkradhaltung und Sitzposition erinnerten bei so manchem eher an eine coole Fahrt mit Freunden in die Diskothek, als daran, hochkonzentriert eine Performance abzuliefern. Klare Ansage von den Instruktoren: Alle Fahrzeuge, ausgenommen die Nummer 1, fahren mit Abblendlicht. Einem Schönheitskönig reichte dieses allerdings nicht, da müssen noch die Nebelscheinwerfer dazu. Die Instruktoren haben es moniert und notiert.
Zu jedem Durchgang wurde eine Notiz gemacht, welche kurz, prägnant und fair war. Bei manchen sah man das Talent, bei anderen, die es eigentlich können müssten, auch nicht. Slalomfahren hört sich ja einfach an: Ich fahr halt zügig abwechselnd links und rechts an den Hütchen vorbei. Kinderspiel. Oder auch nicht. Slalomfahren ist eine Kombination aus: Sitzposition, Blicktechnik, Lenkradhaltung, Lenkradführung und die Arbeit mit dem Gaspedal. Da trennt sich sehr schnell die Sreu vom Weizen. Die Spreu wurde anschliessend sehr bald ausgesiebt.
Zweite Challenge: Ungebremster Spurwechsel mit 85 km/h
Am Beifahrersitz vom Christian Riegler ließ ich mir das zeigen (Tonaufnahme folgt noch ). Einmal machte er es, bewusst, ganz falsch. Mörderdreher. Das zweite mal halb richtig, mehrere Gegenpendler, und zu guter letzt einmal richtig. Wirklich richtig! Mit 96 km/h ein ordentlicher Ausbrecher und akkurat wieder eingefangen.
Diese Challenge ist recht schwierig, viel schwieriger als das Bremsen/Ausweichen das im RC1 durchgeführt wurde.
Auch hier wurde wieder mitgeschrieben. Ab hier wurde auch mal geschaut: Was hat derjenige für eine Vorgeschichte: Motorsport ja/nein, wenn ja was hat er gemacht. Anhand dieser Infos, und dem was beim Slalom gezeigt wurde, konnten die Instruktoren das Potential erahnen.
Nach dem Spurwechsel: Aussieben. Diesesmal musste sich ein Kandidat vor die Jury stellen um sich eine Kopfwäsche abzuholen. Eine Berechtigte.
Wenn man in der Bewerbung angibt einiges an Motorsporterfahrung gesammelt zu haben, dies jedoch ausschliesslich im öffentlichen Verkehr, dann konnte es Manuel und sein Team nicht so belassen. Es folgten Weisheiten die jedem Menschen klar sein sollten: Motorsport findet auf einem abgesperrten Areal statt. Sonst nirgends. Zitat vom Team: “Für Dich ist Motorsport mit rauchenden Reifen und viel BumBum aus der Musikanlage von Ampel zu Ampel jagen. In der Stadt. Sowas ist KEIN Motorsport sondern Verantwortungslosigkeit. Wenn wir Rennfahrer uns im Strassenverkehr so aufführen würden, wäre der Ruf des Berufs schnell ruiniert. Sowas können und wollen wir uns nicht erlauben. Wir können sehr gut die Grenze ziehen, wo es heisst angepasst zu Fahren und wo wir uns austoben können. Und das kann nur auf einer Rennstrecke mit Sicherheitspersonal und lauter Teilnehmern erfolgen, die wissen worauf sie sich einlassen an diesem Tag.”
Ich kann das nur bestätigen. Ich bin ja mit Manuel zur Nordschleife gefahren. Das er nicht mit 90 hinter den LKW´s nachtuckert ist klar. Niemals jedoch hatte er den Sicherheitsabstand unterschritten. Nicht einmal kam die Lichthupe im Vectra OPC zum Einsatz. Im Gegenteil, er fuhr zügig im Verkeht mit, überholte, wurde überholt und war höchst aufmerksam. Sobald ein anderer Fahrer eine gefährliche Situation heraufbeschwor (Fahrstreifenwechsel welche fast zur Kollision mit einem anderen führte), wurde defensiv beobachtet, analysiert und jede Gefährdung ausgeschlossen. Das Manuel ein erstklassiger Fahrer ist hat er in vielen Rennen bewiesen. Er weis es, ich weis es, aber alle anderen auf der Autobahn nicht. Weil die nicht wissen wer am Steuer sitzt.
Sorry für den Abschweifer.
Der Corsa kam angebrettert, pilotiert vom Mario, dem Wunderkind von Kissling-Motorsport. Sascha Bert fuhr eine Richtzeit welche sich gewaschen hat. Die Teilnehmer konnten das natürlich nicht sehen, da sie im Zelt abgeschottet wurden um sich auf deren Challenge vorzubereiten.
Diese Anspannung im Zelt, wo jeder darauf wartete an der Reihe zu sein, ich hab das auch durchgemacht. Adrenalin pur, bevor man im Auto sitzt! Ich konnte so gut mitfühlen mit ihnen
Sascha fährt eine Richtzeit mit dem Corsa.
Wahnsinn was er aus dem Rennfloh rausholte. Eine wahnwitzige Zeit (Sorry, bin zur Verschwiegenheit verpflichtet) und Bremspunkte wo es einem normal das Hirn raushauen müsste.
Die Teilnehmer hatten natürlich keine Chance da ranzukommen. Der beste war immer noch etwa 10% langsamer, was aber trotz allem sauschnell war.
Die Verabschiedung war für mich nur für 3 Wochen, da ich am 25.4. mit meiner Freundin hochfahre. Vielleicht bekomme ich ja auch die Chance, vor Ort nachrücken zu können. Ich freue mich jedenfalls wieder auf die Jungs!
Mein Fazit für diese 1,5 Tage:
1.: Habe das Vertrauen in die moderne Ingeneurstechnik verloren: Der Escort brauchte 5,9l auf 100km obwohl ich ab Ingolstadt mit 150-160 unterwegs war. Warum können das moderne Autos nicht, oder sogar nicht besser??
2.: Rechtsfahrgebot ist noch immer gänzlich unbekannt
3.: Das Racecamp 2 ist um einiges härter!!
4.: Meine Fahrt mit dem Corsa beim RC1 war grottenschlecht, wenn ich dem Sascha zuschaue!
5.: Die Verkehrsfunk-Tante ist eine böse Frau die mir etwa 15km Stau bei der Heimfahrt angedroht hat. Dieses mal hat sie die Drohung wahr gemacht. Verwandte kann man sich nicht aussuchen, Rennfahrer schon……………………………..